Was ist eigentlich baurechtlich eine Doppelhaushälfte?

 Diese Frage wird immer mal wieder gestellt, wenn ein Nachbar Umbauten an seinem einseitig angebauten Haus vornimmt, die dem anderen Nachbarn nicht gefallen. Wann geht eine Umgestaltung so weit, dass Sie den Charakter des Doppelhauses zerstört und vom Nachbarn abgelehnt werden kann?

Eine einfache Antwort gibt es auf diese Frage nicht. Im Zweifelsfall muss die rechtliche Zulässigkeit in einem Prozess durch einen Richter geklärt werden. Dabei geht es dann darum, ob die beiden an der Grenze aneinander gebauten Häuser noch in ausreichender Art und Weise aufeinander abgestimmt bleiben, sodass sie weiterhin als eine Einheit angesehen werden können. In den meisten Fällen allerdings, wie einem leichten Anheben des Daches auf Grund zusätzlicher Dämmung oder der Ausführung einer Gaube, wird man nicht davon ausgehen können, dass der einheitliche Eindruck unzulässig gestört wird.

Selbst zusätzliche Vor- oder Rücksprünge an der Fassade durch Wintergärten, Erker oder andere baurechtlich zulässige Erweiterungen werden meist anstandslos genehmigt und können dann auch vom Nachbarn nicht mehr verhindert werden. Ob allerdings Gerrit Rietvelds Schröderhuis von 1924, eine Ikone der klassischen modernen Architektur, Unesco-Welterbe – und ein Reihenendhaus, heute in Deutschland noch einmal so gebaut werden könnte, wage ich zu bezweifeln. Das ließen wahrscheinlich weder Bebauungsplan noch Nachbarn zu. 

Dipl.-Ing. Architekt Oliver Senger
SENGER Bau- und Immobilien-Consult
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