Was ist ein vernünftiges Effizienzniveau im Wohnungsbau?

Was ist ein vernünftiges Effizienzniveau im Wohnungsbau? Der Bauingenieur und Architekt Dietmar Walberg, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen e. V., meinte in der FAZ vom 29.10.2021, dass das Effizienzhaus 70 das optimale Niveau darstellt und dass die höheren Stufen schlicht unwirtschaftlich sind, weil sie nicht entscheidend weniger Energie verbrauchen, aber deutlich höhere Baukosten mit sich bringen. Er führt an, dass ein Passivhaus theoretisch nur 15 kWh pro m² Wohnfläche und Jahr an Heizenergie verbrauchen dürfe, tatsächlich aber in der Regel mehr als das Doppelte brauche. Zusätzlich falle ja auch noch Energiebedarf für Warmwasser an. Der Schlüssel zu größerer Klimaneutralität ist deshalb nicht die ständige Erhöhung der Dämmstärken und die Verringerung des Heizenergiebedarfs bei Neubau und Renovierungen. So würde es Jahr für Jahr ca. 180 Mrd. Euro kosten, wollte man den deutschen Immobilienbestand in Effizienzhäuser 55 verwandeln. Zusätzlich wären 1 Mio. zusätzliche Arbeitskräfte notwendig. Oder 2 Mio. zusätzliche Handwerker, um das Ziel von 400.000 Wohnungen pro Jahr zu erreichen. Wo soll beides herkommen? Es muss deshalb die Dekarbonisierung des Heizenergiebedarfs hinzukommen, also vor allem die Produktion von mehr Strom aus erneuerbaren Energien. Letztlich geht es darum, die immer begrenzten Ressourcen in Form von Geld und Arbeitskraft nicht zu verschwenden, sondern möglichst effektiv einzusetzen. 

Dipl.-Ing. Architekt Oliver Senger
SENGER Bau- und Immobilien-Consult
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