Die Grundsteuerreform (2)

Viele innerhalb der Immobilienbranche befürchten, dass die Grundsteuerreform für die politischen Institutionen eine gute Gelegenheit wäre, über die Hintertür eine massive Steuererhöhung durchzusetzen. Diese Befürchtung scheint mir nicht wahrscheinlich zu sein, da auch Mieter von der Grundsteuer betroffen sind, weil sie über die Nebenkostenabrechnung weitergegeben werden kann. Wahrscheinlicher ist deshalb, dass sie von der Politik einkommensneutral gestaltet wird und man über die Neueinführung einer Grundsteuer C für nicht bebaute, aber baureife Grundstücke versuchen wird, Mehreinnahmen zu generieren. Eine solche Grundsteuer auf Baugrundstücke ist in der Diskussion, um die Grundstücksspekulation zu verteuern und Baulandbesitzer zu animieren, ihre Grundstücke zu bebauen oder an bauwillige private Bauherren zu verkaufen.

Erfahrungen aus den 1960er Jahren, als es schon einmal eine Grundsteuer gegen Bodenspekulation gab, lassen jedoch viele Zweifel aufkommen, ob die gewünschte Wirkung mit so einer Maßnahme erzielt werden kann. Damals verkauften private Eigentümer reihenweise ihre unbebauten Grundstücke nicht an private Häuslebauer, sondern an finanzstarke Bauträger, die die Grundstücke dann doch nicht wie gewünscht bebauten, weil entweder die Baukapazitäten fehlten oder auf bessere Erträge in der Zukunft spekuliert wurde. Gerade die fehlenden Baukapazitäten könnten auch heute die erhofften Wirkungen einer Grundsteuer C konterkarieren.

 

Dipl.-Ing. Architekt Oliver Senger
SENGER Bau- und Immobilien-Consult
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