Ideen für preiswertes Bauen …

… gibt es durchaus. Ein Beispiel: Die Wohnungsbaugesellschaft GWG aus München, eine städtische Tochtergesellschaft, baut dort öffentlich geförderte Wohnungen für normalerweise € 1.850 bis € 1.900 pro m² Wohnfläche. Derzeit plant man dort „bezahlbaren und qualitätsvollen Wohnraum“ für lediglich € 1.450 pro m². Wie gelingt das? Nicht durch serielles Bauen oder andere Fortschritte in der Bautechnik, sondern durch konsequentes Feilen an den gewohnten Standards bis hin zum Minimalprojekt: Keine Tiefgarage, lediglich ein Installationsschacht pro Wohnung, weitgehend nur ein Fensterformat und teilweisen Verzicht auf den Aufzug. Die Elektroinstallation erfolgt auf der Wand in einer „Medienleiste“ und eine individuelle Abrechnung der Heizungswärme erfolgt nicht, auf die entsprechenden Messeinrichtungen wird verzichtet. Auf diese Weise möchte man 20 bis 25 % der Baukosten einsparen. Im Bauwesen wartet weiteres Einsparvolumen darauf, gehoben zu werden. Gerda Peter, seit 2016 Mitgeschäftsführerin der GWG äußerte sich im Gespräch mit dem Deutschen Architektenblatt mit Blick auf die baulichen Normen und Standards: „Wir müssen fragen, was wir wirklich für bezahlbaren und qualitätsvollen Wohnraum brauchen?“

Das scheint mir die wesentliche Frage zu sein, die sich alle am Bau Beteiligten, aber auch die späteren Nutzer und Eigentümer der Wohnungen beantworten müssen. Was aus dem wild gewucherten Dickicht der Energieeinspar-, Brandschutz-, Schallschutz- und Barrierefreiheits-Standards brauchen wir tatsächlich? Und womit bevormunden wir die Mieter und Eigentümer vielleicht am Ende sogar schon?


Dipl.-Ing. Architekt Oliver Senger
SENGER Bau- und Immobilien-Consult
Alte Mainzer Str. 3
55129 Mainz
Telefon 06131 - 329 5245
info@senger.immo
www.senger.immo