Stellt eine schwankende Wassertemperatur einen Mangel dar?

Das OLG Hamburg bejahte diese Frage in einem Urteil vom 16.07.2021 und glaubte feststellen zu müssen, dass eine Temperaturschwankung von 5 Kelvin einen Mangel darstelle. Hinnehmbar seien allenfalls Temperaturschwankungen von 1° C. Das Urteil ist bemerkenswert, da Temperaturschwankungen in einer Trinkwasseranlage technisch unvermeidbar sind und selbst bei Verwendung von teuren Thermostatmischarmaturen Temperaturschwankungen von mehr als 1 K auftreten können. Auch gibt es kein technisches Regelwerk, das Temperaturschwankungen in der vom OLG geforderten Größenordnung begrenzen würde - im Gegenteil, die 2011 novellierte Trinkwasserverordnung hat mit dem Ziel einer Verringerung der Verkeimungsgefahr zu minimierten Leitungsquerschnitten und kürzerer Verweildauer des Wassers in der Leitung geführt, aber auch zu größeren Temperaturschwankungen des bereitgestellten Wassers. Eine konstante Temperatur des Wassers kann kaum garantiert werden, da jede Wasserentnahme, die wärmer oder kälter erfolgt, als die Durchschnittstemperatur in der Leitung, zu einer Veränderung dieser Durchschnittstemperatur führt. Die Physik lässt sich nun einmal nicht ausschalten. Somit bleibt der Konflikt zwischen dem Komfortanspruch mancher Nutzer und den technischen Möglichkeiten, insbesondere unter Berücksichtigung der Wasserhygiene, weiter ungelöst. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Rechtsprechung des OLG HH nicht generell durchsetzt. 

Dipl.-Ing. Architekt Oliver Senger
SENGER Bau- und Immobilien-Consult
Alte Mainzer Str. 3
55129 Mainz
Telefon 06131 - 329 5245
info@senger.immo
www.senger.immo