Wie ökologisch sind natürliche Dämmstoffe?

Die Deutsche Bauzeitung vom April 2019 beantwortet diese Frage sehr klar: Sämtliche Dämmstoffe sparen den Energieverbrauch, den ihre Herstellung beansprucht innerhalb von 10 Tagen bei Zellulose bis zu 80 Monaten bei Calcium-Silikatplatten durch die eingesparte Heizenergie wieder ein. Dies gilt sowohl bei moderaten als auch bei sehr strengen Wärmedämmwerten. Die aufgeführte Spannweite zeigt aber schon, dass die verschiedenen Materialien sich enorm durch die Menge, der bei der Herstellung notwendigen Energie unterscheiden. Tatsächlich ist es so, dass natürliche, wenig bearbeitete Dämmmaterialien wie Zellulose, Hanf, Stroh, Gras– oder Seegrasfasern einen sehr niedrigen Primärenergiegehalt aufweisen und deshalb tendenziell „ökologischer“ sind als industriell hergestellte Dämmungen wie z. B. Polystyrolplatten. Eine Ausnahme in dieser Hinsicht ist nur die Holzweichfaserplatte, die zwar aus Holzfasern besteht, aber im Nassverfahren hergestellt wird und bei der die notwendige Trocknung sehr viel Energie benötigt. Neben der besseren Primärenergiebilanz können natürlich-organische Baustoffe in der Regel nach der Nutzung leicht entsorgt und z. B. durch Verbrennen thermisch genutzt werden, während mineralische Dämmstoffe nur deponiert werden können. Auch bei den Herstellkosten können natürliche, ökologische Dämmstoffe mitt-lerweile durchaus konkurrenzfähig sein. So ist das Einblasen von Zellulosedämmung im Dachraum eine sehr ökologische, aber auch ökonomische Lösung, die wesentlich wirtschaftlicher sein kann, als der Einbau von Mineralwollematten in die Dachschräge. Allerdings darf die Materialauswahl der Dämmung nicht allein unter ökologischen Aspekten erfolgen, sondern muss immer alle Anforderungen an den Baustoff berücksichtigen.

 

Dipl.-Ing. Architekt Oliver Senger
SENGER Bau- und Immobilien-Consult
Alte Mainzer Str. 3
55129 Mainz
Telefon 06131 - 329 5245
info@senger.immo
www.senger.immo