Plädoyer für ein eigenständiges Bundesbauministerium?

Wohnen ist in der Bundesrepublik zum großen Problem geworden. Gerade junge Familien haben Probleme zu einem angemessenen Mietpreis eine vernünftige Wohnung zu finden. Wer Eigentum erwerben will, muss feststellen, dass die Preise in den letzten Jahren viel schneller gestiegen sind, als er Eigenkapital ansparen konnte. All dies führt dazu, dass ein immer größerer Anteil des Einkommens für Wohnen aufgewendet werden muss. Viele sprechen schon von einer neuen Wohnungsnot, die sich in Deutschland ausbreitet und schlagen ernsthaft die Enteignung der großen Immobilienkonzerne vor. In dieser Situation ist die Wohnungspolitik als Abteilung dem Bundesinnenministerium angegliedert. Das Grundbedürfnis Wohnen hat damit den gleichen Stellenwert wie die Nebensache Sport. Fast 50 Jahre, von 1949 bis 1998, gab es in der Bundesrepublik ein eigenständiges Bundesbauministerium. Mit Beginn der rotgrünen Regierung sah man keine Notwendigkeit mehr für ein eigenständiges Bauministerium, weshalb es mit dem Verkehrsministerium zu einem Bundesministerium für Verkehr und Bau vereinigt wurde. Seit 2013 wurde es zunächst dem Umweltministerium und seit 2017 dem Innenministerium zugeschlagen und damit weitgehend in der Bedeutung marginalisiert. 1998 gab es in Deutschland weniger als 37 Mio. Haushalte und jährlich ca. 500.000 Baufertigstellungen, sowie einen Bestand von ca. 2,6 Millionen Sozialwohnungen. Heute haben wir ca. 42 Mio. Haushalte, unter 300.000 Baufertigstellungen und noch gut 1 Mio. Sozialwohnungen. Die Schere zwischen Angebot und Nachfrage klafft immer weiter auseinander. Vielleicht wäre es jetzt wieder Zeit für ein eigenständiges Bauministerium, das die Wohnungsbauproblematik dem Populismus entzieht und kompetent für mehr Angebot sorgt.

 

Dipl.-Ing. Architekt Oliver Senger
SENGER Bau- und Immobilien-Consult
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