Wo ist die Immobilienblase?

Die Immobilienpreise in Mainz und den Gemeinden im Umland sind auch 2017 wieder signifikant gestiegen. Insgesamt verzeichnen wir seit 2010 einen deutlichen Anstieg im mittleren zweistelligen Bereich, also deutlich über dem Anstieg der Lebenshaltungskosten und auch deutlich über dem Anstieg der Löhne und Gehälter. Einzelne Marktbeobachter, aber auch die Deutsche Bundesbank warnen bereits vor einer in Deutschland entstehenden Immobilienblase. Solche Warnungen sind mit Blick auf die letzten Jahre nicht verwunderlich. Die Kaufpreise steigen seit Jahren schneller als die Mieten und die Preissteigerungen erreichen mittlerweile auch Regionen, die weiter von den Metropolen entfernt sind - das sind beides Anzeichen für eine Blase. Weniger stark ist allerdings der dritte Faktor für eine Immobilienblase, das spekulative Moment. Zumindest im Mainzer Raum gibt es derzeit kaum Investoren, die Immobilien kaufen, um sie nach kurzer Zeit mit Gewinn weiter zu verkaufen. Diese Käuferschicht war nach meiner Erfahrung Mitte der 1990er Jahre deutlich stärker vertreten. Auch die Anzahl der neugebauten Wohnungen war Mitte der 1990er Jahre doppelt so hoch wie heute und die Bauproduktion übertraf den Ersatzbedarf deutlich. Das ist heute noch lange nicht der Fall. Solange die Gesamtwirtschaft floriert spricht deshalb wenig dafür, dass es kurzfristig zu einem Nachlassen der Immobilienkonjunktur kommen wird. Die Sorge muss weniger der Immobilienwirtschaft gelten als der gesamtwirtschaftlichen Lage. So sehe ich z. B. durch Digitalisierung der Wirtschaft und Elektrifizierung der Automobilindustrie große Gefahren für Hunderttausende qualifizierter und gut bezahlter Arbeitsplätze in Deutschland, deren Verlust auch für die Immobilienwirtschaft dramatische Folgen hätte.

 

Dipl.-Ing. Architekt Oliver Senger
SENGER Bau- und Immobilien-Consult
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